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Exklusives Amiga Flame Interview mit Fleecy Moos von Amiga, Inc.
Quelle Originalartikel: http://www.geocities.com/~amigaflame/amiafai.htm

1. Amiga, Inc.s Marketing-Strategie für die neue Amiga-Generation umfaßt auch den Spielemarkt. Wie beabsichtigt Amiga Inc. diesen Markt als Erfolgsgarant für den neuen Amiga umzusetzen? Wird Amiga Inc. die Spieleseite des Amiga in irgendeiner Weise als Marketingargument hervorheben?

Die neue Amiga-Generation wird auf einem von uns produzierten und voll skalierbaren Betriebssystem basieren. Dieses wird auf ein Referenzhardwaresystem abgestimmt. Amiga Inc. selbst beabsichtigt zur Zeit nicht eigene Rechner zu produzieren (abgesehen von den OS5Dev-Maschinen).
Statt dessen werden wir mit Hardwarefirmen zusammenarbeiten, die dann je nach ihrem Marktsegment Rechner/Maschinen produzieren. Das Spektrum reicht von erweiterten DVD-Spielern über Spielkonsolen, Homecomputer, Anzeigesysteme, Desktops, bis hin zu Workstations und Servern.
Selbstverständlich sehen wir unsere größten Chancen im wachsenden 'digital convergence' -Markt. Einfach gesagt, in der Integration der noch zersplitterten Einzelgeräte, aus dem Bereich der Unterhaltungs- und Konsumerelektronik, in ein einheitliches System. Eine gute Analogie ist die Weise, in der die unterschiedlichen Netzsysteme in den achtziger Jahren sich zum offenen Standard des Internets verbanden.
Eines der Schlüsselwörter in der 'digital convergence' ist die Unterhaltung, und eine bessere Unterhaltung als Spiele gibt es nicht. Egal ob Einzelplatz-, Multiplayer- oder Netzwerkspiele, wir beabsichtigen den Amiga als DIE BESTE Spieleplattform für Entwickler und User auf den Markt zu bringen.

Um das oben genannte zu erklären: Es wird eventuell große Lizenzhersteller geben, welche die Technologie unter eigenem Namen vermarkten werden und ebenso auch die klassischen Clone-Hersteller. Wir werden sicherstellen, daß das "powered by Amiga" ein Muß für jeden Hardwarehersteller wird.
So wird unsere Marketing-Kampagne sich einfach an den Notwendigkeiten der einzelnen Partnerhersteller orientieren, denn diese stellen die Amigaprodukte her und verkaufen sie. Ich bevorzuge ein Marketingkonzept nach INTEL-Art, also eine allgemeine Werbestrategie zum Nutzen aller Hersteller, die durch speziellere Kampagnen der einzelnen Firmen unterstützt wird. Aber, um das klarzustellen: Wenn OS5Prod und seine Hardware einsatzbereit sind, wird man sich noch mit einem weiteren 'BIG BANG' zu befassen haben. :-)

2. Wer wird den von Jeff Schindler auf der WOA angekündigten Next Generation Amiga tatsächlich entwickeln und herstellen?

OS5Prod zielt auf diverse Märkte, von der Spielkonsole bis hin zur Workstation. Amiga Inc. beabsichtigt dagegen nicht in das Hardwaregeschäft einzusteigen. (Abgesehen von der Herstellung der Referenzhardware für OS5Dev.)

Die passende Hardware zu OS5Prod wird durch Dritthersteller und OEMs entwickelt und gebaut. Diese Hersteller werden entsprechend den jetzigen PC-Clone-Herstellern produzieren und verkaufen.

Ich kann zur Zeit keine Namen nennen, dies werden die Firmen zu gegebener Zeit selbst tun. Ich kann jedoch sagen, daß bereits viele Firmen ihr Interesse bekundet haben, sowohl bereits etablierte Amigafirmen, als auch Hersteller die im Amigabereich neu sind.

3. Welche speziellen Eigenschaften können wir im Bezug auf Spielentwicklung von den neuen Amigas erwarten?

- OpenGL mit Hardwareunterstützung
- Standarddarstellung in 24-Bit Farbtiefe
- AC3-Sound
- USB-Unterstützung
- Transparente Netzwerkfähigkeiten (Home, LAN, Internet)
- Schlanker API-Zugriff auf die Fähigkeiten des neuen Superchips

Natürlich funktioniert nichts ohne großartige Entwicklungswerkzeuge und Applikationen. Wir hoffen, daß viele der jetzigen Grafik-, Sound- und Modelling-Anwendungen portiert und erweitert werden. Ebenso hoffen wir, daß auch 'nicht-Amiga-Firmen' ihre Produkte anpassen.

Eines der wichtigsten Kriterien für jeden möglichen Entwickler und besonders für die restlichen Amiga-Entwickler, ist die Softwarepiraterie.

Die Raubkopien haben eine klaffende Wunde in den Amigamarkt gerissen und bedrohen noch immer die Existenz der Entwickler, die bis jetzt dem Amiga treu geblieben sind.

Wenn wir ein neues Betriebssystem entwickeln, ist das natürlich eine großartige Chance die neuen Rechner, so gut wie möglich gegen Softwarepiraterie abzusichern. Wir arbeiten in diesem Punkt eng mit dem ICOA zusammen, um einen umfassenden Schutzmechanismus in Hard- und Software zu integrieren.

Die Leute müssen begreifen, daß Piraterie eine kriminelle Handlung ist und kein romantisches Kavaliersdelikt. Piraterie hat unser System an den Rand des Abgrundes gebracht, und das soll sich nicht wiederholen.

4. Wir haben vor kurzem erfahren, daß die neue Amiga-Generation eine spezielle 'Spieleschnittstelle' erhalten soll. Können Sie das bestätigen und uns weitere Einzelheiten dazu geben?

Diese Eigenschaft ist Teil des 'personality interface'. Dieses erlaubt den Entwicklern und Usern das 'look and feel' eines Produktes vollständig nach eigenen Wünschen zu bestimmen. Die Spieleschnittstelle ist ein Beispiel dieser Technologie, die von einem unserer potentiellen Hardwarehersteller untersucht wurde. Beim Systemstart prüft das Betriebssystem die Konfiguration des Systems. Findet es dabei einen oder mehrere Joysticks und eine TV-Verbindung, so wird eine einfach zu steuernde Umgebung für Spiele gestartet. Findet das System Tastatur, Maus und Monitor, so wird ein eher traditioneller Desktop gestartet.

Selbstverständlich benutzen einige Spiele Tastatur und Maus, es handelt sich dabei also um eine sehr spezifische Implementierung. Aber das Ganze ist ein gutes Beispiel, für die chamäleonartige Natur des neuen Amigas.

5. Hält Amiga Inc. umfassenden Kontakt mit Amigafirmen und Entwicklern? Sind diese über den jeweils aktuellen Stand der Hardwareentwicklungen informiert? Gibt es auch Kontakte zu Spieleherstellern außerhalb des jetzigen Amigamarktes, und sind solche Firmen von sich aus an Amiga Inc. herangetreten?

Ich pflege möglichst viele informative Kontakte mit wem immer ich kann, und versuche so das Eis zu brechen. Ich versuche zu erfahren welchen Weg die Entwickler gehen, und was sie von uns und dem neuen System erwarten. Die von Ihnen zur Verfügung gestellte Liste ist sehr willkommen. Bis die Web-Datenbank verfügbar ist, ist es für uns schwer zu erkennen, wer überhaupt noch auf unserer Seite steht.

Sobald das Entwicklerprogramm feststeht, werden diese Kontakte sehr viel konkreter. Ich versuche den Entwicklern so viele Informationen wie möglich zur Verfügung zu stellen, ohne irgendein NDA zu brechen. ( NDA=vorläufige Geheimsache; Anm. d. Übers. ) Sobald alle NDAs überflüssig sind, wird die Sache viel professioneller weitergehen. Wir haben allerdings schon jetzt viel Spaß :-).

Einer der großartigen Aspekte, die Bill McEwan dem Amiga gebracht hat (abgesehen von seiner Vorliebe für scharfes Essen), ist seine Schlüsselstellung in der Softwareindustrie über die letzten 10 Jahre, mit seinen guten persönlichen Kontakten zu vielen Leuten in hohen Stellungen in den Softwareunternehmen. Nach seinen Informationen brennen diese Leute darauf die neue Technologie zu sehen.

6. Wie steht es um die Zukunft des PowerPC für den Amiga? Ist er nur ein weiterer Zwischenschritt wie die November-Maschine, oder werden die PPC-Karten in den neuen Amigas eingesetzt? Viele Amiga-User haben große Geldsummen in den PowerPC investiert.

Die PPC-Coprozessorkarten arbeiten nur mit den klassischen Amigas. Wir haben keine Pläne sie in die neuen Maschinen zu integrieren. Dort würden sie den Rechner vermutlich sogar ausbremsen.

Wir haben unseren eigenen Prozessor ausgewählt, den die Gemeinschaft inzwischen als den MMC/Superchip/V-Chip bezeichnet.

OS5Prod wird für diesen Prozessor entwickelt. Es wird jedoch in offener und modularer Weise programmiert und kann auf andere Hardwarearchitekturen portiert werden.

Amiga Inc. wird das aber nur dann tun, wenn dabei auch ein wirtschaftlicher Erfolg absehbar ist. Drittherstellern steht es frei Amiga Inc. eine Portierung auf ihr System anzubieten. Amiga Inc. wird dann darüber entscheiden.

7. Viele Amiga-User (Gamer) sind der Meinung, daß Amiga Inc. zur Zeit sehr wenig unternimmt. Können Sie uns vom Gegenteil überzeugen und etwas über die zeitliche Planung sagen?

Amiga Inc. unternimmt eine Menge, aber dies passiert hinter den Kulissen. Technische Auswertung und Design, Sitzungen mit den Partnern, wir versuchen 'alle unsere Ducks (Enten) in eine Reihe' zu bekommen. Wir haben nicht vor einen Amiga, so wie er JETZT IST zurück auf den Markt zu bringen. Statt dessen wollen wir etwas entwerfen, das die Computerwelt des neuen Jahrtausends bestimmt. So etwas kann nicht mehr von einer einzelnen Firma geleistet werden - es erfordert Partner, Kooperation, offene Standards und Visionen. Ja, die derzeitige Situation ist frustrierend, und je eher wir die Zukunft mit allen teilen können, desto besser.

Fleecy Moss.


Im Weiteren bedankt sich die Redaktion der Amiga Flame bei Fleecy Moss.

Fleecy Moss erklärte gegenüber Amiga Flame außerdem, von welch grundlegender Bedeutung eine schnelle Kontaktaufnahme seitens aller Amiga-Software-Unternehmen mit Amiga Inc. sei. Unabhängig davon ob sie im Spiele- oder Anwendungsbereich arbeiten. "Ich kann nicht oft genug betonen, wie wichtig eine schnelle Verfügbarkeit von Software für den Next-Generation-Amiga ist."

Übersetzer dieses Artikels: Wolfgang Weidner 29.09.1998

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