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Amigactive Magazin zerlegt Amiga's Linux-Ankündigung
Quelle Originalartikel:http://www.amigactive.com/newsitems/11071999-lnx.html

Amiga´s Ankündigung (9. Juli), dass der Next Generation Amiga einen Linux-Kern verwenden würde, stürzte die Amiga-Gemeinde in Chaos und Verwirrung. Nur ein Tag nach der Ankündigung von QNX Software Systems, dass deren aktualisiertes Neutrino / Photon Multimedia Desktop OS, welches ursprünglich für Amiga geplant war, sich der Vollendung nähere, stellte dieser plötzliche Wechsel die positive Bewegung der letzten Monate vor ihre Grenzen.

Viele Kommentatoren kamen zu dem Schluß, Amiga sei von der Flamme des Linux Media Hype angezogen worden war und bewege sich zu einer minderwertigen, weniger revolutionären Technologie hin. Kommende Enthüllungen in der versprochenen Technologiebeschreibung (Technologie-Brief) und auf den Messen World of Amiga und Amiwest sind geeignet, die Gründe aufzuhellen.

Der seit langem spekulierte Spalt zwischen Amiga und QNX scheint sich in den nächsten Kernel-Krieg zu verwandeln. QNX Sorfware Systems scheinen darauf erpicht zu sein, mit ihrem domestizierten Neutrino OS, mit oder ohne Amiga, forzufahren. Sie haben Amiga-Entwicklern Entwickler-Kits angeboten, die an einer Arbeit auf ihrem System interessiert sind und bieten all die netten Features, die uns in den acht Monaten, seit der ersten Bekanntgabe der Partnerschaft, so neugierig gemacht haben. Amiga, die ihre Karten verdeckt halten, müssen jetzt erklären, warum sie dies verlassen haben.

Amiga´s Ankündigung der Linux-Partnerschaft wurde klar durch die Aktionen von QNX des vorhergehenden Tages ausgelöst. Eigentlich war diese Information als Teil des 5-7-seitigen Techologie-Briefes gedacht, der die meisten Gründe erklären soll. Aus dem Konzept gerissen, hat diese Ankündigung erhebliche Panik in der Amiga-Gemeinde ausgelöst.

"...AmigaSoft Operating Environment wird nicht bloß eine weitere Linux-Distribution werden."

Es gibt verschiedene, wichtige Punkte, die in dieser Situation nicht völlig verstanden worden sind. Der erste ist, was das genau bedeutet. Amiga plant nicht einfach nur die Produktion einer Linux-Box mit ihrem eigenen GUI das auf einem x86 läuft - sie planen die Produktion eines einzigartigen OS, welches auf den Linux-Kernel aufsetzt und einige revolutionäre Hardware nutzt, deren Ankündigung am 24. diesen Monats zu erwarten ist. Amiga versichert uns, dass das Amiga Operating Environment nicht bloß eine weitere Linux-Distribution werden wird.

Vermutlich wird Amia eine Menge zum Linux-Kernel hinzufügen - sicherlich ein GUI-System, wenn man nach der Betonung auf Human Interfaces Engeneers in der auf der Amiga-Webseite veröffentlichten Job-Liste urteilt. Es ist wahrscheinlich auch sicher anznehmen, dass ein anständiges Human Interface Talent ein angenehmes Filesystem sicherstellen wird, usw. Andere Talente, die Amiga in seinen Anforderungen betont, sind Netzwerk, elektronische Transaktionen und Multimediatechnologien. Wir können uns vorstellen, dass dies auf weitere bedeutende Entwicklungen zum Kernel hindeutet. Das "AmigaObjects" System, welches Netzwerk-Devices erlaubt, Bearbeitungsnachfragen zu teilen und die wachsenden Stackanforderungen, die für Applikationen mit mehrfach hohem Bandweitenstreaming nötig sind, deuten ebenfalls auf eine Weiterentwicklung des TCP/IP-Codes von Linux hin, der in seiner heutigen Form nicht gut angesehen ist.

Das Pro und Contra von Linuxing

Ohne Zweifel erscheint momentan der Neutrino-Kernel von QNX Software Systems in voranstrebenden Bereichen, wie Realtime Multimedia Sevices und prevasives Networking mehr zu Hause, doch wir müssen bedenken, dass wir nicht notwendigerweise hier mehr vergleichen, als den Kelbstoff der das Operating Envrionment mit der Hardware verbindet. Im Moment kennen wir einfach nicht die Gründe, warum sie den Kleber gewechselt haben. Allgemein könnten die innovativen Features, die für den NG Amiga öffentlich betont wurden, als Innovationen von QNX erscheinen. Doch die simple Wahrheit ist, dass wir jetzt nicht genug Informationen über die Innovationen haben, die Amiga auf den Tisch legen wird, welches die wichtigsten sind.

Der Wechsel zu Linux ist momentan schwer zu bewerten, denn, während wird eine gute Vorstellung von den Ideen und innvativen Aspekten des Neutrino haben, gibt es noch viel darüber zu offenbaren, wohin Amiga mit Linux geht. Eine Sache, die klar zu sein scheint ist, dass wir nicht annehmen sollten, all die Features, die Amiga während der vergangenen Monate diskutierte, seien nun verschwunden - weit davon entfernt. Einige Leute betrachteten die letzte Ankündigung nur als eine weitere Änderung in der Richtung der Firma, doch scheint es nach der Ankündigung von Amiga´s Präsident, Jim Collas, klar zu sein, dass dies bereits seit seinem Eintritt bei Amiga im Februar diesen Jahres zu den Überlegungen gehörte. Somit kann es als ein weiterer Teil des selben Wechsels der Richtung angenommen werden, von der wir in den letzten paar Monaten gehört haben.

Linux birgt einleuchtende Marketingvorteile. Bemerkenswert ist, dass wir jetzt ziemlich sicher annehmen können, dass auf den neuen Amigas Software wie Quake 3 und Corel Office laufen wird und von der Entwicklung einer großen Zahl gut optimiereter Treiber profitieren wird. Ohne Zweifel haben die Amiga-Geschäftsführer die Publicity-Vorteile in Betracht gezogen, die aus der jetzigen Medienliebschaft mit Linux erwachsen könnten. Sie werden ebenso die Vorteile bedacht haben, die ihnen ein Einstieg sowohl in die Linux-Gemeinde, als auch in die Amiga-Gemeinde bringen kann - eine Partnerschaft aus OS-Gemeinschaften die ganz passend erscheint. Die Unterlagen der neuen Amiga-Platform für Shareware werden, durch das Zusammentreffen von Amiga-Entwickler und Linux-Recourcen, einfach unübertroffen sein. Doch es wird interessant sein zu sehen, wie die kommerziellen Anforderungen von Amiga in die Linux-Tradition und -Philosophie von Open Soucre passen. Amigactive Magazine fragte Linus Torvalds, Autor von Linux, wie er darüber denkt:

"Bisher war die kommerzielle Entwicklung von Linux immer in sehr gutem Gleichgewicht mit der technischen Seite und alle derzeitigen, kommerziellen Linux-Distributionen resultierten in Verbesserungen, die zur Linux-Gemeinde zurückflossen. Das ist ein Hin und Her - kommerzielle Entwicklung profitiert von der Stabilität und Offenheit von Linux und Linux als Ganzes profitiert von den hinzukommenden Recourcen."

"Außerdem glaube und hoffe ich besonders, dass die Amiga-Leute weiterhin auf die alte Amiga-Grundlage bauen - starker Technologie. Ich sehe sie als kommerziell, doch auch als Markt indem die Leute wirklich darauf achten, technisch das richtige zu tun."


Superchip enthüllt?

Das Bild, das sich von Amiga´s Plänen formt, ist ein günstiger, kraftvoller Multimedia Computer, ausgestattet mit wichtigen, aufkommenden Technologien wie DSL, Universal Plug and Play, Havi, Java und Jini. Er wird einen Linux-Kern haben, sein eigenes, sich unterscheidendes User Interface System und einige aufregende, pervasive Netzwerk-Computing-Technologien mittels des AmigaObject Systems. Einige dieser Entwicklungen werden vermutlich über GPL in den Linux Open Source zurückfließen, währen andere Elemente für den Amiga einzigartig bleiben werden. Wird das so gut werden, wie es mit dem Neutrino-Kernel geworden wäre? Das hängt davon ab, was Linux auf den Tisch legt. Der Grund, warum Jim Collas grünes Licht für Linux gab war, dass er nicht daran glaubte, allein mit QNX ein Mithalten mit der raschen Entwicklung der Technologie zu ermöglichen - das kann bezüglich der Treiber-Sache vermutet werden, doch ich habe den Verdacht, dass da mehr dran ist.

In Jim Collas' Antwort auf den Linux-Feedback auf der Amiga-Webseite gibt es eine sehr interessante Zeile.

"Das es Firmen gibt, die an Hardwarekomponenten arbeiten die für den Linux-Kernel optimiert sind, ist ein weiterer Vorteil von Linux. Dies wird es uns erlauben, durch die enge Integration von Hardware- und Softwarekomponenten, auf dem MCC Effizienz und wachsende Performance zu erreichen. Die MCC-Hardware wird für den Linux-Kernel und Java hochoptimiert sein. Zusätzlich zum einzigartigen Amiga OE, wird der MCC Linux und Java besser als jeder andere Computer auf der Welt fahren."

Was bedeutet das? "Besser als jeder andere Computer auf der Welt" ist eine Behauptung - und ebeso ein Fingerzeig.

Jim Collas listete kürzlich einige der Chips im Rennen um die Amiga-CPU auf. Einer der genannten Chips ist das Projekt eines finanziell gut ausgestatteten und gut besetzten Technologie-Startups in Santa Clara, Transmeta. Während deren Projekt hinter einem meisterlich gebauten Schild der Geheimhaltung verborgen wurde - wie wenig über den Transmeta bekannt ist, oder wie hoch darüber spekuliert wurde läßt ihn sehr gut in das Amiga-Szenario passen und ihn klar aus dem Feld im Rennen um die am häufigsten in Gerüchten auftauchende Amiga NG Hardware herausragen.

Transmeta wird auf der Webseite des Investors und ursprünglichem Co-Gründers von Microsoft, Paul Allan, genannt. Eine Firma deren Kerngeschäft "Alternative VLSI Engines für Multimedia PCs" sind. Ihr alleiniges Pantent - Nr. 5.832.205 - läuft unter dem obskuren Titel "Memory Controller für einen Mikropozessor zur Erkennung eines Berechnungsfehlers in der physikalischen Natur einer Adressierten Komponente" von Edmund Kelly, Robert Cmelik und Malcom John Wing.  Dieses Patent beschreibt eine ´Codeumwandlungs´-Technologie die offenbar Instruktionen von CISC, RISC oder Java in VLIW-Ausführung umwandelt, währen der Übertragung. Die Hinweise sind dünn, doch aufkommende Vermutungen tippen auf einen relativ günstigen VLIW-Prozessor der fremden Code mit Geschwindigkeiten, vergleichbar mit einem nativen Prozessor, verarbeitet. Es ist eine faire Annahme, dass eine VLIW-Architektur mit Code auf einem Datenstrom (wie Multimedia-Operationen) bedeutend bessere Leistung bringen würde, während die Intergerleistung nicht so optimiert wäre.

Nun, trotzdem ist all das nur Spekulation. Zählen wir die Aussagen zusammen, können wird vermuten, dass das Vorhaben der Multimedia PCs zu dieser "alternativen VLSI Engine", anderen Prozessoren, mit besonders verbesserter Multimedialeistung, eine ähnlich starke Integerleistung beiten wird, zusammen mit effektiven, nativen JAVA-Code-Operationen. Und mit Linus Torvalds im Mitarbeiterstab von Transmeta - sehr zu vermuten auch eine kleine Unterstützung für Linux. Weitere Hinweise lassen vermuten, das der Prozessor eine geringere Zahl von Transistoren benötigen wird, als andere Architekturen (ein Viertel dessen von Intel-CPUs, wird gesagt) und niedrige Produktionskosten. Klingt bekannt? Eine Partnerschaft zwischen Transmeta und Amiga würde den Computermarkt sicherlich mit Aufregung erfüllen - doch, natürlich äußert sich jetzt keine der Firmen dazu.

Zwei Kernels besser als einer?

Wo beleibt QNX dabei? Im Moment ist das schwer zu sagen. Sie haben ein eindrucksvolles, brandneues Betriebssystem das - momentan - kein Ziel hat (zur Zeit läuft es nur auf Standard x86-Architektur). Es erscheint ungewöhnlich - vor der Tatsache, dass Linux und QNX POSIX-Systeme sind und vieles aus Amiga-Plänen für ein hohes Maß an Portierbarkeit entstand - dass Amiga QNX in diesem Stadium absagte. Bis Amiga die Linux-Situation klarstellt, bleibt alles Spekulation. In der Zwischenzeit könnten wir plötzlich zwei Betriebssysteme haben, unter denen wir wählen müssen. Pessimisten könnten das als unwillkommene Spaltung des Marktes ansehen, während Optimisten es als willkommenen Sicherheitsfaktor betrachten wird, falls San Diego ins Meer fällt und das Amiga-Haupquartier mit ihm.

Ist es nicht umöglich, sich eine Zukunft vorzustellen in der Amiga und QNX die Einzelteile der Amiga-Gemeinde zusammenkratzen? Doch es währe für die Gemeinde dumm, sich in diese Phase selbst zu zerstören. Es ist ebenso leicht, sich eine Zukunft vorzustellen, in der ein Amiga-Layer sowohl auf Linux- , als auch auf Neutrino-Systemen läuft. Jeder mit unterschiedlichen Vorteilen. Der Versuch, sich die zweite Variante der Zukunft vorzustellen, ohne Amiga´s Gründe für den Wechsel zu kennen, ist völlig nutzlos. Amiga könnte einen Weg gehen, der durch einen viel weniger belebten Teil der Stadt zu führen scheint, doch wir sollten das Ziel beurteilen, nicht den Weg dorthin. Sicherlich solle dieser Weg Amiga dabei helfen, viele der Problem beim Start eines vollkommen neuen OS zu überwinden.

Als Amigactive Magazin vor ein paar Monaten der Amiga-Konferenz in Heathrow beiwohnte, wurde uns eine neugierig machende - wenn auch nicht komplette - Vision der Zukunft präsentiert. Diese Vision hat sich nicht geändert - sie ist einfach immer noch ebenso interessant und immer noch ebenso unvollständig. Wir wissen, dass Linux der OS-Kernel sein wird, aber es wird nicht notwendiger Weise die aktuelle Inkarnation des Kernels sein, also kenne wir sicher nicht die ganze Funktionalität dieses Kernels. Er wird vielleicht nicht so kompakt wie der Neutrino-Kernel sein, doch Amiga hat uns eine "saubere und effiziente Linux-Konfiguration als Standartteil unseres Operanting Environment" versprochen.

Die Hauptsorge ist, dass Amiga einen Markt betreten haben könnte, den sie nicht führen können. Andere Firmen haben entschieden, dass Linux der Weg nach vorn ist und planen anwenderfreundliche, auf Linux basierende Systeme. Um Erfolg zu haben, muß Amiga zwei Dinge sicher stellen - dass sie innovativer als die Alternativen sind und nicht nur im Bereich Power aus der Masse hervorragen, sondern auch durch das Beschaffen eines lebensfähigen, kommerziellen Marktes. Viele Amiga-Entwickler werden besorgt sein, dass sie mit einem riesigen Markt freier Software konkurieren werden müssen, doch es wurde uns versichert, dass Linux selbst nur ein Unterbau für die Funktionalität des Amiga sein wird. Die wirlich innovative Kraft des Next Generation Amiga wird direkt angesprochen werden müssen, also wird Amiga-Software, die auf einem Amiga-System läuft, bedeutend mehr Power und Funktionalität bieten, als die reine Linux-Software.

Kann Amiga also eine revolutionäre Linux-Maschine produzieren? Linus Torvalds nannte uns seine Gefühle zu der Ankündigung:

"Gut, ich bin sichtlich immer erfreut, wenn jemand Linux verwendet. Ich denke, Linux macht in einer Menge von Umgebungen sehr viel Sinn und Amiga war immer als technologisch interessant bekannt, mit einem starken User Interface und einer enthusiastischen Gefolgschaft. Linux paßt sicher sehr gut."

Natürlich wäre es sinnlos, Linus zu fragen, ob Transmeta dort hineinpassen würde - er ist viel zu diskret, um dies zu beantworten. Trotzdem, es scheint klar, dass jede Firma, die Linux mit einem so angenehmen User Interface, wie das des Amiga´s, kombinieren kann, und eine wahrhaft beeindruckende, günstige Hardware-Platform auf der das läuft, - die versprochenen innovativen Entwicklungen, die von Amiga´s Ankündigungen der letzten Monate überlebten - wird sich für die Zukunft in einer Killerposition befinden. Im schlimmsten Fall, hat Amiga einen Teil der technischen Verbesserungen getauscht, für einen wirksameren Sturmangriff auf Herzen und Gedanken des Computer-Marktes. Im besten Fall, könnten sie dabei sein die Mittel, den Computermark bei seinem Erwachen zu überschwemmen, anzupassen.

Autor: Andrew Korn


Übersetzer dieses Artikels: Martina Jacobs 12.07.1999 < !-- hier Name und EMail des Übersetzers einfügen --! >

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